Heute war der letzte Tag von meinem ersten Anfängerkurs. Also der erste, den ich selber gegeben haben. Eigentlich sollte ich ja nur den Assistenen machen, aber der Kollege, der den Hauptact geben sollte, ist wegen Krankheit ausgefallen. Also doch ich – 6 Wochen Grundlagen: Was ist Aikido? Die Bilanz war leider nicht wirklich erfolgreich. Trotz Werbung waren am ersten Abend grade mal 6 Interessenten da; von denen im Lauf der sechs Wochengrade mal zwei geblieben sind. Dafür sind zwischendurch diverse Leute mal aufgetaucht, mal weg geblieben, Anfänger aus dem vorherigen Kurs haben eine Auffrischung genommen und diverse andere Gelb- und Weißgurte haben ihre Grundlagen vertieft.

Allein die Beschäftigung mit der Stoff aus der “Lehrer-Perspektive” hat mir tatsächlich ein paar interessante, neue Erkenntnisse gebracht. Trotzdem ist die Bilanz mehr oder weniger frustrierend. Denn offenbar war ich ja nicht in der Lage, die Faszination für diesen Sport so zu vermitteln, dass es bei den Interessenten wirklich gezündet hat. Andererseits gilt natürlich auch in diesem Fall wieder die Frage: Was kann ich von außen reintragen, wenn die Voraussetzungen nicht stimmen? Ich habe vor einiger Zeit mal einen von diesen fürchterlich traditionellen Texten gelesen, in dem die Rede davon war, dass am Training Interessierte früher in Japan dem Lehrer im Dojo ihrer Wahl beweisen mussten, dass sie überhaupt gut genug sind, dort zu trainieren – also beispielsweise wirklich ernsthaft interessiert. Eine Eigenschaft, die heute wirklich selten geworden zu sein scheint – aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zum Kurs: Wie ich denn so bin, habe ich natürlich nicht nur Technik vermittelt, sondern auch Geschichten erzählt, über die Dinge, die mir beim Aikido so wichtig sind (und die ich zum großen Teil auch hier verarbeitet habe) – also Haltung, Etikette, Gewalt, Ki, Esoterik und Glückskeks-Philosophie – all diese Dinge. Aber die große Frage ist: Kann man das mit Worten wirklich vermitteln? Der Japaner an sich zieht sich da ja gerne auf diese Zen-Nummer zurück: Kein Verlass auf Worte. Aber ich bin da nicht so sicher.  Ein Argument spricht für diese Theorie: Es gibt ein wortloses, intuitives Verständinis von Zusammenhängen, bei dem man ein Muster erkennt, es aber nicht explizit beschreiben kann. Diese Form von Verständnis tritt nach meiner Erfahrung im Aikido besonders  oft auf. Das würde bedeuten, dass der “wortlose” Aikido-Lehrer seine Einsichten nicht verbal vermitteln will, sondern es tatsächlich nicht kann.