Level up

Dezember 6, 2009

Ich konnte ja wieder die Klappe nicht halten: Als ich vom Horn zurück gekommen bin, hat mein Lehrer mich gefragt, ob ich die Prüfung denn dort hätte machen können. Jau, habe ich gesagt. “Prima”, strahlt Norbert mich an. “Dann kannst Du die Prüfung ja demnächst nachholen. Hast Du Mitte November schon was vor?” Gulp. So bald schon? Nun ja, dann hat es sich – aus verschiedenen organisatorischen Gründen – doch bis Anfang Dezember hingezogen: Heute, pünktlich zum Nikolaus, habe ich die Prüfung zum 2. Kyu bestanden. Danke an Alle, die mit dazu beigetragen haben – allen vorn ” free flying” Kurt für den fabelhaften Einsatz als nimmermüder Uke.

Lernen

November 24, 2009

Heute war wieder einer dieser Tage – wo nichts richtig klappt und ich am Schluss denke: Was machst Du eigentlich hier? Ich hege seit langem den Verdacht, dass die Techniken im Aikido nicht dazu da sind, gelernt zu werden. Das funktioniert sozusagen anders herum: Wenn ich eine Technik gelernt habe, demonstriere ich damit, dass ich das zugrunde liegende Prinzip verstanden habe.

 

 

Aber wie funktioniert dann das Lernen? Rauszufinden, was wirklich wichtig ist, ist verdammt schwierig. Typisch: Sensei steht da, schüttelt den Kopf und sagt: “Nein, so geht das nicht. Das musst Du so und so machen”. Zeigt die Technik – und ich denke: Aber genau das habe ich doch grade auch gemacht. Wo ist der Unterschied? Will sagen: Wenn man weiß, wohin man schauen muss, sieht man ihn. Aber das geht erst hinterher. Ist schon ne tolle Sache, diese Zen-Nummer.

Horn

November 10, 2009

4053439227_cf01d7ba97“Nach 200 Metern links abbiegen” sagt die Computerstimme. Weil Lisa (so hat Birgit die Frauenstimme des Navi getauft) sich höchst selten irrt, muss auch diesmal was dran sein. Auch wenn es gar nicht so ausssieht. “Was denn, hier, auf den Parkplatz?”, fragt Kurt. Tatsächlich, am hinteren Ende des Parkplatzes weist ein winziges Schild in Richtung Bundesleistungszentrum. Nebel und Regen hängen zwischen den Bergen. Es scheint manchmal, als würden wir direkt durch die Wolken fahren. Nach einigen hundert Metern hört sogar der Asphalt auf – eine Viertelstunde später sind wir endlich da. Laut Navi haben wir rund 650 Kilometer Strecke zurück gelegt, überwiegend bei Sauwetter mit zwei Staus bei Frankfurt: Macht etwa acht Stunden Fahrtzeit.

Planmäßig hätten wir bis 16 Uhr angereist sein sollen – nun ist es 17 Uhr und Hubert Luhmann steht schon umgezogen in der Halle: Jetzt, schnell gleich eine erste Einheit auf der Matte, dann um 18 Uhr 30 Abendessen, danach klären wir dann mal die Zimmervergabe. Dein Wille Meister, sei uns Befehl – schließlich sind wir ja hier, um Aikido zu machen. Also schnell die Koffer beziehungsweise Rucksäcke gegriffen, ab in die winzig kleine Umkleide im Keller neben dem Schwimmbad, nichts wie rein in die Aikido-Klamotten und dann auf die Matte. Vor uns liegt der Bundeswochenlehrgang für Kyu-Grade auf „dem Horn“. Eine Woche Intensiv-Aikdo mit Meister Hubert Luhmann, siebter Dan und Mitglied der Technischen Kommission des DAB – für die besonders motivierten inklusive Gürtelprüfung.

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Für alle, die nicht schon dreimal da waren, eine kurze, einführende Erklärung: Das Bundesleistungszentrum Herzogenhorn befindet sich im Hochschwarzwald, nur wenige hundert Meter vom Gipfel des Herzogenhorn entfernt – der wiederum gleich neben dem Feldberg liegt. Also ungefähr 1300 Meter hoch. Ich habe leider nicht viel über die gemeinsame Geschichte des Aikidos und des Bundesleistungszentrums herausfinden können, aber seit Ende der sechziger Jahre finden hier bereist Aikido-Lehrgänge statt – Generationen von Aikidoka haben hier gelernt, gelitten, gekämpft und gefeiert. Ab Oktober kann hier – wir können das bestätigen – auch schon mal Schnee fallen. Landschaftlich ganz nett, aber sonst ist hier im wesentlichen gar nichts – außer Gegend. Die nächste Ortschaft ist etwa 20 Autominuten entfernt. Und wenn man nicht gerade T-Mobile-Kunde ist, hat man da oben nicht mal Handy-Empfang. Prima Gelegenheit, sich ganz auf den Sport zu konzentrieren.P1020525

Hubert Luhmann betreibt seit 1975 Aikdo, ist hauptberuflich Polizist und bildet unter anderem auch SEKler aus. Für sein Aikido heißt das immer: verschärfter Realitätsabgleich. Funktioniert das, oder ist es eine „leere Bewegung“? Auch wenn er sagt: „Aikido ist wie ein Haus. Das kann ganz verschieden aussehen – , groß oder klein, mit Wänden aus Holz oder Stein, aber die Grundelemente sind immer gleich: Ein Dach, Wände, ein Boden.“ Der Prüfstein der Wirksamkeit bleibt immer präsent. Was nicht heißen muss, dass da eisenhart geholzt wird: “Versucht nicht aktiv zu führen”, sagt Luhmannn. “Wenn ihr aktiv führt, wird Uke Widerstand dagegen entwickeln. Niemand lässt sich gerne durch die Gegend ziehen”.4054123406_98d1844a49

Soweit der erste Kontakt. Die Halle ist hübsch, aber irgendwie hatte ich mir das Ganze größer vorgestellt. Und die Matten haben eine Kunststoff-Oberfläche – schweißnasse Füße kleben da richtiggehend drauf. Das verleiht zwar eine gewisse Stabilität, macht den Tsugi Ashi aber zur echten Herausforderung. Wie lange die Haut an den Füßen das aushalten wird ist mir noch nicht ganz klar (es wird sich zeigen, dass sie nicht lange hält). Aber es kommt noch besser: Weil zwei andere Gruppen parallel zu uns im Leistungszentrum sind, sieht es zunächst so aus, als müssten wir nach jeder Einheit die Matten wieder abbauen. Auch beim Abendessen herrscht noch ein gewisse organisatorische Unklarheit: Ute, die gute Seele des Hauses, verweist auf die Belegungslisten von Hubert – der verweist entschuldigend darauf, dass das Haus sehr stark belegt ist, und er viel aus der Ferne organisieren musste. Kurt und ich haben Glück: Wir gehören zu den glücklichen, die von Anfang an ein Zimmer im Leistungszentrum beziehen können – ein Teil der Leute muss diese Nacht “im Tal” verbringen, ein kleiner Teil sogar die ganze Woche pendeln.

Zum Glück lässt sich die Mattenfrage flexibler handhaben, als wir zu Anfang befürchtet haben. Dafür gibt es andere nette, kleine Überraschungen: Am nächsten Morgen ist die erste Einheit auf 8 Uhr 30 angesetzt. Am Sonntag. Ironie der Geschichte: Der Lehrer lobt die Bequemlichkeit – “Es gibt zwei Arten, einen Apfel zu pflücken”, sagt Luhmann. “Ich kann mich danach strecken und den Baum schütteln, oder ich kann warten, bis er runterfällt. Doch der krönende Abschluss einer zwei Stunden dauernden Einheit ist ein lockeres Randori von zwei mal fünf Minuten. Freier Angriff – gaaanz langsam, damit man auch Zeit zum Überlegen hat. Normal ist eine Minute. Tolles, technisches Training, aber die Pumpe bollert wie blöde, ich habe Kopfschmerzen und die Arme zittern.

Mittlerweile habe ich zwei offene Blasen unter den großen Zehen und eine unter dem linken Fußballen – Tape erweist sich an dieser Stelle als ziemlich nützlich. Die Zähne zusammen beißen. Noch ein bisschen mehr, ein bisschen härter, schneller, flinker und zäher als der Gegner sein. Nur, dass es hier keinen Gegner gibt – oder zumindest nicht geben sollte. Warum mache ich das hier? Genau wegen dieser Konkurrenz-Geschichte bin ich damals vom Judo weg. Zwischendurch kommt mir das ganz vor, wie eine Mischung aus Klassenfahrt und Bootcamp. “Das ist kein Sabaki, das ist ein Stolperschritt”, sagt der Meister. Tolle Aufmunterung – genau das habe ich jetzt gebraucht. Ich will nicht rumjammern, aber ich kann glaubhaft versichern, dass sich das Gefühl bis zur Mitte der Woche noch öfter einstellt. Besonders nach Montag Abend – für diesen Termin war die erste Überprüfung der Prüfungs-Kandidaten angesetzt, und Luhmann hat einiges anzumerken. Die gute Nachricht ist: Bis Freitag ist Zeit, an den Mängeln zu arbeiten. Dann soll es ernst werden.

Zwischendurch wird ordentlich Programm gemacht. Die Latte liegt hoch: Im Laufe der Woche sollen wir alle Techniken bis zum ersten Dan durchgehen und auch die erste Kata lernen. Auch ansonsten “unbeliebte Techniken” wie der Koshi Nage stehen auf dem Programm. “Ich weiß, der wird nicht gerne geübt”, sagt Luhmann. “Früher, da kamen die Aikidokas noch aus dem Judo, oder Jui Jitsu. Da war diese Art des Fallens noch ganz selbstverständlich. Aber die reinen Aikidokas machen das nicht gerne”. Damit wir die Scheu vor dem harten Fall verlieren gibt es erst mal eine Runde vorbereitende Übungen. Aber dann geht es durchaus zur Sache: Würgen von der Seite, kurzer Atemi, Übersetzschritt und dann “ab mit dem Kerl”. Kurz, knapp und im wesentlichen auch nichts anderes als im Judo. Da kratzt man sich am Kopf – jahrelang habe ich versucht, den Unterschied zwischen den Hüftwürfen im Judo und Aikido zu verstehen. Koshi Nage Und dann kommt Luhmann und sagt mir, dass es eigentlich nicht wirklich einen Unterschied gibt. Na dann. Kleiner Trost am Rande: Eigentlich ist Aikido ganz einfach. Jedenfalls, wenn man es nach Art von Luhmanns Baukasten-System begreift: “Eigentlich kommt man mit zwei Techniken aus”, sagt er. “Ude-osae und Shiho-Nage. Und alle Angriffe kann ich auf Katate tori zurückführen”.

Mittwoch Vormittag arbeiten wird zum ersten mal “mit Gehölz” und zu meiner großen Überraschung wird der SEK-Ausbilder an dieser Stelle sehr, sehr nachdenklich. “Der Stock ist eine Waffe”, sagt Luhmann. “Ihr müsst euch immer darüber klar sein: Eine Waffe ist dazu gemacht, jemanden zu verletzen oder zu töten. Deswegen habe ich mich lange geweigert, im Aikido mit Waffen zu trainieren. Weil ich in zu vielen Fällen gesehen habe, was Waffen anrichten.”

Mittwoch Nachmittag ist – wie oft auf solchen Lehrgängen – Pause. Der größte Teil der Gruppe macht sich, da das Wetter ganz leidlich ist, zu einer kleinen Wanderung auf: Zur Kunkelbachhütte. Mir ist nicht nach noch mehr Bewegung, sondern nach Ruhe, auch wenn die Hütte vielfach für ihr ausgezeichnetes Angebot an Obstweinen gelobt wird. (Selten habe ich so viel zwischendurch geschlafen, wie in dieser Woche). Aber es ist ja nicht so, dass es im Leistungszentrum nichts zu trinken gäbe. Zwischendurch habe ich so manches mal gedacht: Ne, das hälst Du hier nicht durch. Aber erstaunlichweise werde ich – trotz fiesem Muskelkater und kleinerer Blessuren – dann doch wieder lockerer.

P1020699.JPG Vielleicht geht’s ja doch nicht anders – vielleicht muss man auch mal gegen die eigenen Grenzen anrennen, um sich nicht mehr selber zu blockieren. Keine Ahnung -jedenfalls scheint es nicht nur mir so zu gehen. Und auch der Meister flicht mehr und mehr Sprüche und Witzchen in seine Vorträge ein – auch wenn die Ironie einem manchmal ein bisschen im Halse stecken bleibt, wenn Luhmann den Kote Mawashi Tenkan einprägsam erklärt mit: “Und dann das Handgelenk verdichten. Mit weichen D wie Dauerschmerz”. Oder plötzlich neben einem steht, prüfend die Technik anschaut, dann die Hände direkt neben dem Körper hochnimmt, ein bisschen wie eine Ente wackelt und sagt: “Du weißt doch, Bernd das Brot kann kein Aikido, denn er hat keine Tekatana”.

P1020765 Freitag Abend dann Showdown: Kurt steht noch auf der Prüfungsliste. Birgit hat die ihre am Mittwoch ja schon bravourös hinter sich gebracht, auch wenn sie es zwischendurch kaum glauben wollte (“Warum nimmt er mich jetzt raus? Bin ich durchgefallen? Ganz ruhig, Birgit, das war nur die Widerholung…”). Jetzt also Kurt und alles läuft prima. Die beiden Prüfer – Patrick David aus Clausthal sitzt mit am Richtertisch – sind sichtlich entspannt. Zum Schluss liefert Kurt ein “echtes Sahnestück”-Randori (das Video liegt auf Flickr) ab. Voller Erfolg mithin, aber nun wird es auch Zeit, das wir verschwinden. Pünktlich in der Nacht zum Samstag fängt es ernsthaft an zu schneien, und wir haben keine Winterreifen.

Nochmal: Gewalt

Oktober 27, 2009

Messer-Abwehr Eigentlich wollte ich an dieser Stelle längst meine Erlebnisse auf dem Horn-Lehrgang verarbeiten. Aber man kommt zu nichts – die Tage müssten 30 Stunden haben. Darum an dieser Stelle nur ein Hinweis, auf einen meiner Meinung nach sehr lesenswerten Beitrag zur beliebten Frage: “Was ist eigentlich einfache körperliche Gewalt?”.

Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass der Realität eine Art Struktur zu Grunde liegt – so eine Art Ordnung der Dinge. Deswegen – und natürlich weil er einfach sehr sehr hübsch ist, zitiere ich an dieser Stelle jetzt mal einen Schnipsel, der am 1. April in der NZZ zu lesen war:

David Albahari

Die Freude
Mein Vetter sammelt alte Sachen, aber nur solche, so behauptet er, für die es in seiner Wohnung einen vorbestimmten Platz gibt. Er nimmt nicht irgendeinen krummen und verrosteten Nagel mit, sondern nur den, dem es beschieden ist, auf seinem Regal neben dem gesprungenen Aschenbecher zu liegen. Alle Gegenstände, meint mein Vetter, hätten ein vorbestimmtes Schicksal, aber es gebe auch solche, deren Bestimmung nicht in Erfüllung gehe, die irgendwo verlegt und vergessen wurden. Mein Vetter hört sie manchmal wehklagen und nach dem rufen, der ein Teil ihres Schicksals ist. Wenn er seinen Namen vernimmt, macht mein Vetter sich auf den Weg zu dem rufenden Gegenstand, nimmt ihn, bringt ihn nach Hause und stellt ihn an seinen vorbestimmten Platz. Die Freude, die er verspürt, wenn der Gegenstand und sein Platz zusammentreffen, ist unbeschreiblich gross, sagt mein Vetter und legt einen zahnlückigen Kamm neben eine kaputte Glühbirne.

Der Schriftsteller David Albahari, 1948 im serbischen Pec geboren, lebt in Kanada. Zuletzt erschien 2007 im Eichborn-Verlag sein Roman «Die Ohrfeige». – Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann.

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Wieder mal das Thema Gewalt: Heute morgen, ich noch recht müde, fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit – neben meiner Liebsten. Ein anderes Fahrrad kommt uns entgegen, mitten im Weg, der Fahrer eiert hin und her, als ob er Schwierigkeiten hätte, das Ding in den Griff zu kriegen – oder er hat am frühen Morgen schon (oder noch?) erheblich getankt. Jedenfalls ist er ganz und gar nicht amüsiert, mich ebenfalls in der Mitte des Radweges vorzufinden und brüllt was wie: “Könnt ihr nicht hintereinander fahren?” Ich bin erheblich angefressen und paule lautstark zurück. Die Liebste ist nicht amüsiert: “Das entspricht aber nicht dem Grundgedanken des Aikido, oder?”

Gute Frage eigentlich, die ich hier mal locker in den Raum werfen will: Einerseits war ich hier klar nicht im Recht – andererseits will ich mich aber auch nicht rumschubsen lassen. Was meiner Meinung nach bedeutet, dass man manchen Leuten unter bestimmten Umständen klare Grenzen aufzeigen muss. Auf der anderen Seite bewirkt das Gegenhalten – im übertragenen Sinne das viel zitierte “Kraft gegen Kraft” – ganz sicher nicht, dass mein Widerpart den Unsinn seines Tuns einsieht. Wie also sich richtig verhalten?

Kampf , Kunst und Gewalt

März 31, 2009


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Vergangenen Samstag habe ich mehrer Stunden damit verbracht, so nette Sachen zu über wie Schwertschläge gegen den Kopf, Schnitte quer über den Bauch und Stiche gegen die Kehle. Dabei war der Lehrgangsleiter, ein freundlicher Rundschädel mit Bierbauch, Stirnglatze und Brille, fünfter Dan Iado, ein unglaublich freundlicher, offener, ruhiger und sonniger Typ.

Schon seltsam, womit wir uns in unserer Freizeit so beschäftigen. Ich meine, besonders wenn ich mir die aktuelle Situation nach Winnenden so anschaue. Als ich einem Kollegen von dem Lehrgang berichtet habe, grinste der und sagte: “Manchmal machst Du mir schon Angst.” Aber in dem Scherz steckt schon ein bisschen Wahrheit.
Wenn man Aikido betreibt, kann man sich ja leicht auf die offizielle Doktrin zurück ziehen: Letztendlich wollen wir offiziell natürlich “nur” die Harmonie wieder herstellen, nicht wirklich kämpfen. Aber die ganze Kunst ist halt doch eingebettet in die Budo-Tradition. Das wird grade an der Arbeit mit dem Schwert deutlich. Und die ist, da beist die Maus keinen Faden ab, eigentlich eine sehr blutrünstige Angelegenheit, oder?

Von außen

März 23, 2009


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Originally uploaded by wolfgang_stieler

Letzten Freitag hatten wir einen Gast beim Training: Ein freundlicher, junger Skandinavier, dessen Namen ich leider schon wieder vergessen habe. Der wollte nicht mittrainieren, sondern einfach mal gucken – und ein bisschen fotografieren. Und wie es der Zufall so wollte, war ganz schnell der Akku seiner Kamera leer, aber ich hatte (genauso zufällig) auch eine Kamera dabei (Lumix LX3, schönes, neues Spielzeug). Was mir die seltene Gelegenheit gegeben hat, mich auf der Matte mal von außen zu sehen.

Geht ja sonst nicht. Ist also ganz spannend. Obwohl ich zugeben muss, dass ich hier einen der schmeichelhaften Schnappschüsse ausgesucht habe. Auf anderen Fotos kann man zum Beispiel deutlich sehen, dass die Haltung eher schlecht ist. Und das Gewicht ist beim Abwurf hauptsächlich auf dem vorderen Fuss. Aber ich muss ja nicht alles posten.

Feedback und Besuche

Februar 4, 2009

Ich freue mich ja immer, wenn neue Kommentare eintrudeln. Ab und an lesen tatsächlich ein paar Leute diesen Blog. Was mich vor kurzem auf eine Idee gebracht hat: Falls ich ub nächster Zeit mal wieder irgendwie unterwegs bin, könnte ich ja mal die Gelegenheit nutzen, und versuchenm dem einen oder der anderen auf der Matte zu begegnen. Ich bin ja (fast) immer neugierig, wie es wohl anderswo zugeht. Außerdem spiele ich mit dem Gedanken, diesen Herbst aber mal wirklich ganz im Ernst zum Wochenlehrgang Herzogenhorn zu fahren. Vielleicht könnt man sich ja verabreden?

Ästhetik

Februar 4, 2009

Stefan schlägt: Yokomen Uchi. Ich – brav wie gelernt – nehme die Hände nach oben, drehe mich und weiche so aus. Illona kichert. “Sieht aus wie Tanzen”, sagt sie. Stefan guckt ein bisschen finster. Vor ein paar Minuten erst hat er erklärt, dass Aikido auch eine richtig gefährliche Sache sein kann. Tanzen? Also bitte, wir machen hier ernsthafte Kampfkunst. “Das ist nicht böse gemeint”, erklärt Illona. “In der Schule hat mir eine Lehrerin das mal so erklärt: Wenn Du im Kunstunterricht eine Figur machst, versuche dich bei jeder Bewegung so zu bewegen, als ob das ein Ballett wäre. Wenn die Bewegungen schön sind, wird auch die Figur schön”. Das ist in der Tat lustig: deckt sich mit meiner Beobachtung, dass viele fortgeschrittene (Schüler) mit der Zeit ganz von selbst anfangen, sich elegant zu bewegen – also etwa beim Aufstehen nach der Rolle in einer fließenden Bewegung den Fuß ranzuklappen und gleichzeitig den Schwung zum hoch kommen auszunutzen.

Offenbar haben wir im Laufe der Zeit einen Sinn für Schönheit entwickelt, der nicht völlig Selbstzweck ist: Schön sind Bewegungen, die optimiert sind. In der Robotik gibt es beispielsweise die weit verbreitete Vorstellung (ich mag das an dieser Stelle mal nicht Theorie nennen, weil streng genommen ist es glaube ich keine), dass ein Gangmuster für humanoide, zweibeinige Roboter, das von menschlichen Beobachtern als schön empfunden wird, am wenigsten Energie verbraucht.robot